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Zum Beispiel über
Unbegleitete minderjährige asylsuchende Mädchen


Im Jahr 2015 wurden 489 Asylgesuche von weiblichen unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) eingereicht. Dies entspricht 17.9% aller Gesuche von UMA in dieser Zeitspanne. Weibliche UMA sind einer dreifachen Diskriminierung ausgesetzt: als Flüchtende, als Frauen und als minderjährige Kinder ohne familiären Schutz. Daher ist es besonders wichtig, der speziellen Situation der weiblichen UMA Rechnung zu tragen.

Das folgende Fallbeispiel zeigt, dass dies bezüglich der Unterbringung jedoch nicht gewährleistet wurde:
Da der Bruder von Zahra sowie eine ihrer Schwestern über die Schweizer Staatsbürgerschaft verfügen, konnte Zahra mithilfe eines Botschaftsvisums legal in die Schweiz einreisen. Begleitet wurde sie von ihrem zweiten Bruder und dessen Frau. Zusammen wurden sie in einem Durchgangszentrum untergebracht, bis festgestellt wurde, dass Zahra bereits früher einmal ein Asylgesuch in der Schweiz gestellt hatte. Nach Art. 82 des Asylgesetzes haben Personen die ein zweites Asylgesuch stellen, lediglich noch Anspruch auf Nothilfe. Zahra wird daraufhin in einer Nothilfeunterkunft platziert. Ihr Bruder und dessen Frau dürfen sie nicht begleiten. Zahra ist von den Erfahrungen in Syrien traumatisiert; sie weint oft und fühlt sich lediglich in der Nähe ihres Bruders wohl. Eine Trennung vom Bruder ist für ein junges traumatisiertes Mädchen sehr schwierig und entspricht eindeutig nicht dem Kindeswohl im Sinne von Art. 3 der Kinderrechtskonvention. Da das kantonale Migrationsamt einen Antrag, in dem darum gebeten wurde, die Umplatzierung rückgängig zu machen, ablehnte, zog Zahra ihren Asylantrag zurück und stellte beim Kanton ein Gesuch um vorläufige Aufnahme. Mit dem Erhalt der vorläufigen Aufnahme kann sichergestellt werden, dass sie gemeinsam mit ihren Verwandten einer Gemeinde zugeteilt wird. Sie verliert damit aber die Möglichkeit, ihre Asylgründe im Detail darzulegen und eventuell eine Aufenthaltsbewilligung als anerkannter Flüchtling zu erhalten. Zudem kann ihr die vorläufige Aufnahme einem Ende des Konflikts im Heimatstaat einfacher wieder entzogen werden.

Deshalb stellen wir an alle Beteilgten im Asylwesen folgende Forderungen:

  • Der mehrfachen Diskriminierung von weiblichen unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden muss in allen Aspekten Rechnung getragen werden.
  • Das Wohl des Kindes soll mit oberster Priorität berücksichtigt werden.
  • Dieser besonders verletzlichen Personengruppe muss eine angemessene geschlechtergetrennte Unterbringung zur Verfügung gestellt werden.

Wenn asylsuchenden Mädchen und Frauen Gewalt geschieht:
Sprechen wir darüber!


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