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Frauenrechte einst und jetzt



Olympe de Gouges
1791, Paris | Im Frankreich des 18. Jahrhunderts spielten Frauen bei den gesellschaftlichen Umwälzungsprozessen eine wichtige Rolle. Traditionell wurden Aufstände, die während der sich wiederholenden Hungersnöte ausbrachen, von Frauen angeführt. Die Zünfte der Wäscherinnen und Marktfrauen waren in Paris wegen ihrer lautstarken Forderungen gefürchtet. Während der Französischen Revolution kämpften die Frauen Seite an Seite mit ihren Männern. Doch die Hoffnung auf rechtliche Gleichstellung erfüllte sich für sie nicht.

In dieser Situation formulierte die Schriftstellerin Olympe de Gouges eine Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin, die sich eng an die 1789 proklamierte Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte anlehnte. Konsequent ersetzte sie darin den Begriff Mann oder Bürger mit Mann und Frau bzw. Bürger und Bürgerin und übergab diese Erklärung der Nationalversammlung. Dieses Schriftstück erregte in ganz Frankreich und sogar im Ausland Aufsehen.
1793 wurde Olympe de Gouges hingerichtet. Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin lag lange Zeit unbeachtet in den Archiven und wurde bei Auflistungen zeitgenössischer Dokumente nicht erwähnt. Erst im Zuge der Frauenbewegung wurde sie wiederentdeckt

Emilie Kempin-Spyri
18. März 1853, Zürich | Emilie Kempin-Spyri wird in Altstetten geboren. Sie ist die Nichte der Schweizer Jugendschriftstellerin Johanna Spyri. 1883 immatrikulierte sie als erste Schweizerin an der Juristischen Fakultät der Universität Zürich. 1887 promovierte sie. Durch das fehlende Aktivbürgerrecht war es ihr jedoch verwehrt, als Anwältin tätig zu werden. Sie versuchte am Bundesgerichtshof eine Neuinterpretation des Artikel 4 der Bundesverfassung zu erreichen, damit der Begriff „Schweizer“ sowohl Männer als auch Frauen umfassen sollte. Dieser Vorstoss wurde „ebenso neu als kühn“ abgewiesen. Zeitlebens kämpfte sie für ihre Zulassung als Anwältin. Schliesslich zerbrach sie an diesem erfolglosen Kampf und starb 1901 verarmt in Basel.

Internationaler-Frauentag
19. März 1911 | Erster internationaler Frauentag. In Schweden, Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA organisierten Frauen Demonstrationen, auf denen sie das Wahlrecht einforderten. Millionen von Frauen beteiligten sich.

1921 | Der Internationale Frauentag wird auf den 8. März verlegt.
Über den Ursprung des Internationalen Frauentages am 8. März gibt es verschiedene Theorien und Deutungen. Einigen Quellen zufolge geht das genaue Datum auf den 8. März 1857 zurück, an dem Textilarbeiterinnen in New York spontan in Streik traten. Weitere Demonstrationen der Tabak- und Textilarbeiterinnen folgten in diesem Jahr. Andere Quellen nennen den 8. März 1908 als jenen Tag, an dem die Arbeiterinnen der Textilfabrik "Cotton" in New York in Streik traten, um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen zu fordern. Die Fabrikbesitzer und Aufseher schlossen die Frauen in die Fabrik ein, um den Kontakt und die Solidarisierung mit anderen Belegschaften zu verhindern. Als plötzlich ein Feuer ausbrach, starben 129 Arbeiterinnen in den Flammen. Weitere Quellen erwähnen, dass mit dem Datum 8. März auch an den grossen Textilarbeiterinnen-Streik in St. Petersburg erinnert werden sollte, der auf andere Sektoren übergriff und eine grosse Demonstration von Arbeiterinnen auslöste.

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1946 | Schaffung der UNO-Kommission für die Stellung der Frau (Commission on the Status of Women CSW).

1946 | Gründung der „Division for the Advancement of Women“ (DAW). Die DAW ist eine wichtige UN-Organisation zur Förderung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen weltweit.

10.12.1948 | Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wird verabschiedet

1952 | Verabschiedung der UNO-Konvention über die politischen Rechte der Frauen.

1971 | In der Schweiz wird das Frauenwahlrecht eingeführt.

1975 | Internationales Jahr der Frau

1975 | In Mexico City findet die erste Weltfrauenkonferenz statt.

1976 | Gründung der INSTRAW (United Nations International Research and Training Institute for the Advancement of Women). Das Institut wird mit dem Ziel gegründet, die Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern mittels wissenschaftlicher Untersuchungen, Trainings und der Sammlung und Verbreitung von Informationen zu fördern.

1976 – 1985 | Internationale Frauendekade der Vereinten Nationen mit den Zielen Gleichstellung, Entwicklung und Frieden.

1981 | Das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen (Convention on the Elimination of all Forms of Discrimination against Women CEDAW) tritt in Kraft. Es ist das Hauptdokument für die Rechte der Frauen und soll dazu beitragen, den Status der Frauen zu verbessern. Die Vertragsstaaten werden darin angehalten, jegliche Form der Diskriminierung von Frauen zu verbieten und Frauen sämtliche Menschenrechte anzuerkennen.

1985 | In Nairobi findet die dritte Weltfrauenkonferenz statt.

1990 | Der Kanton Appenzell-Innerhoden führt als letzter Schweizer Kanton das Wahlrecht für Frauen ein.

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1993 | UNO-Welt-Menschenrechtskonferenz in Wien: Erstmals in der Geschichte der Vereinten Nationen wird in der Schlusserklärung die Gewalt gegen Frauen ausdrücklich verurteilt und als Menschenrechtsverletzung bezeichnet. Es entsteht die ‘Deklaration zur Beseitigung der Gewalt gegenüber Frauen’ DEVAW)

1995 In Peking findet die vierte Weltfrauenkonferenz statt. Eine zukunftsweisende Aktionsplattform für alle Bereiche der internationalen Frauenpolitik wird verabschiedet. Die Ziele sind Massnahmen zur Prävention und Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, Forschung und Statistik sowie Massnahmen gegen den Frauenhandel und die Prostitution.

26.04.1997 | In der Schweiz tritt die UNO-Konvention CEDAW von 1981 in Kraft.

Juni 2000 | In New York findet die UNO-Sondergeneralversammlung „Women 2000: Gender equality, Development and Peace for the 21st century“ statt. Die Umsetzung der 1995 beschlossenen Aktionsplattform wird überprüft. Frauenhandel, sogenannte Ehrenmorde an Frauen, genitale Verstümmelung sowie häusliche Gewalt gegen Frauen werden nun verurteilt als Menschenrechtsverletzungen. Dezember 2000 Das Zusatzprotokoll zur CEDAW tritt in Kraft.

Juli 2002 | Das so genannte „Römische Statut“ des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC) tritt in Kraft. Vergewaltigung, Sexual-Sklaverei, erzwungene Prostitution, erzwungene Schwangerschaft, erzwungene Sterilisation sowie andere Formen sexueller Gewalt können nun als Menschenrechtsverletzung bezeichnet werden. Anerkennung von geschlechtsspezifischen Verfolgungsgründen. Sklaverei gilt als Verbrechen, dabei sind der Frauen- und Kinderhandel mit eingeschlossen.

Seit 2004 | werden Gewalthandlungen in Ehe und Partnerschaft von Amtes wegen als Delikt verfolgt und sanktioniert.

2006 | wird der Artikel 28b ZGB verabschiedet, durch den Zivilgerichte zum Schutz der Opfer eine gewalttätige Person anweisen können, die gemeinsame Wohnung zu verlassen.

29. September 2008 | die Schweiz hat die Uno-Frauenrechtskonvention (CEDAW) ratifiziert und legt seitdem mindestens alle vier Jahre einen Bericht über die getroffenen Massnahmen und Fortschritte vor (Art. 18 CEDAW).

3. Juli 2013 | Frauen sollen in der Schweiz besser vor Gewalt geschützt werden. Der Bundesrat hat entschieden, dass die Schweiz die Konvention des Europarates zur Verhütung von Gewalt gegen Frauen in Kürze unterzeichnet. Das letzte Wort zur Ratifizierung hat aber das Parlament.